Radiosynoviorthese - Schmerztherapie der Gelenke


Bestrahlung des Gelenkes von innen


Die Radiosynoviorthese (RSO) ist ein sehr wirksames und schonendes Verfahren, das zur raschen und nachhaltigen Schmerzlinderung bei schweren Gelenkbeschwerden wie aktivierter Arthrose oder Arthritis eingesetzt wird. Durch eine gezielte Verödung der Gelenkinnenhaut mit radioaktiven Substanzen bilden sich Entzündungen und Schmerzen häufig dauerhaft zurück.

Sanfte und effektive Behandlung


Die Radiosynoviorthese wird auch als „sanfte“ Chirurgie bezeichnet, da für die Verödung der entzündeten Gelenkschleimhaut keine Operation, sondern nur eine Injektion nötig ist. Aber auch sonst belastet die Behandlung den Organismus kaum. Denn die Strahlenbelastung ist nur minimal, da sie nur eine Reichweite von unter einem Zentimeter hat und so weitgehend auf das behandelte Gelenk begrenzt bleibt. Vor allem der Gelenkknorpel und das umgebende gesunde Gewebe werden durch die Therapie nicht geschädigt. Die Behandlung wird von einem spezialisierten Nuklearmediziner durchgeführt.

Externe Links: www.rso-behandlung.de, RSO-Broschüre

Warum wird eine RSO durchgeführt?
Gelenkentzündung bei Arthritis und Arthrose

Rheumatische Gelenkerkrankungen werden durch körpereigene Abwehrstoffe verursacht, die zu einer Entzündung und im weiteren Verlauf zu einer Zerstörung der Gelenkinnenhaut (Synovia) führen. Bei Verschleißerkrankungen der Gelenke (Arthrosen) führt hingegen eine mechanische Reizung zu einer entzündlichen Veränderung der Gelenkschleimhaut und einer schmerzhaften Schwellung.
Gelenkzerstörung aufhalten, Beweglichkeit verbessern

Bei einer schweren akuten Entzündung können konventionelle Maßnahmen, wie eine physikalische oder medikamentöse Behandlung, oft keine nachhaltige Linderung bewirken. Hier kann die Radiosynoviorthese (RSO) wertvolle Dienste leisten:
• Durch eine gezielte Verödung der Gelenkinnenhaut mit radioaktiven Substanzen bilden sich Entzündung, Schmerzen und häufige Gelenkergüsse oft länger anhaltend zurück.
• Außerdem kann die Gelenkfunktion deutlich verbessert und zum Teil sogar wiederhergestellt werden.
• Vor allem aber werden das betroffene Gelenk und die benachbarten Gelenkstrukturen meist vor der fortschreitenden Zerstörung bewahrt.

Wirkungsprinzip
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Durch die Gelenkflüssigkeit kann sich die radioaktive Substanz in der gesamten Gelenkhöhle verteilen. Die Entzündungszellen an der Oberfläche der kranken Gelenkinnenhaut erkennen das an kleinste Partikel gebundene Radionuklid als Fremdkörper und „fressen“ es auf. Die Strahlung bewirkt dann, dass die Entzündungszellen selbst abgetötet werden.
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Durch die kurzzeitige, lokale Strahlung verschorft die verdickte Gelenkinnenhaut nach und nach. Die Schwellung geht zurück, bis die Innenhaut wieder dünn ist und fast dem Normalzustand entspricht. Gleichzeitig werden feinste Kanälchen verschlossen, aus denen Ergussflüssigkeit ins Gelenk drang. Ebenso werden kleine Nervenendigungen ausgeschaltet, so dass der Schmerz sich verringert oder sogar verschwindet.
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Dadurch kann sich die Beweglichkeit des Gelenks mit der Zeit deutlich verbessern. Die Gelenkfunktion kann erhalten werden.
Wann ist eine RSO sinnvoll?
In folgenden Fällen kann die Radiosynoviorthese (RSO) eingesetzt werden:
  • bei aktivierter Arthrose (Gelenkverschleiß) – zum Beispiel bei aktivierter Daumengrundgelenkarthrose (=Rhizarthrose) oder Kniegelenksarthrose (Gonarthrose), aber auch bei aktivierter Schulter-, Ellenbogen-, Handgelenk-, Finger-, Hüft, Fuß- und Zehengelenksarthrose
  • bei häufig wiederkehrenden Gelenkergüssen – zum Beispiel nach einem Gelenkersatz
  • bei rheumatoider Arthritis (Gelenkrheuma)
  • bei Gelenkentzündungen im Rahmen einer Schuppenflechte (Psoriasis)
  • bei Gelenkentzündungen im Rahmen der Bechterew-Krankheit
Wie wird eine RSO durchgeführt?
Was passiert vor der Behandlung?

Die Grundlage für den Erfolg einer Radiosynoviorthese (RSO) bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist eine exakte Diagnose. Deshalb untersuchen wir vor der Behandlung das betroffene Gelenk immer erst sehr gründlich, um sicherzustellen, dass wirklich eine Entzündung im Gelenk und nicht nur einfacher reizfreier Verschleiß oder gar eine Fraktur vorliegt. Hierfür werden je nach genauer Fragestellung insbesondere Gelenksonographie, MRT oder Skelettszintigraphie eingesetzt. Mit diesen Untersuchungen lässt sich nicht nur klären, welche Gelenke betroffen sind, sondern für welche Gelenke die Behandlung sinnvoll eingesetzt werden kann.
Da die radioaktive Substanz speziell für Ihre Behandlung hergestellt und per Kurier zeitgenau in der genau für Ihr Gelenk benötigten Dosis angeliefert wird, müssen wir vor Terminvereinbarung mit Ihnen beim Hersteller zunächst den nächstmöglichen Liefertermin abklären. Die Terminvereinbarung mit Ihnen erfolgt danach telefonisch und ist nach Ihrer Zusage verbindlich. Eine Absage ist nur bis 7 Tage vor der Behandlung noch möglich, andernfalls müssen wir Ihnen die Kosten des Radionuklids (je nach Gelenk ca. 100 Euro) in Rechnung stellen.
Wie läuft die Behandlung ab?

Die RSO wird ambulant durchgeführt. Dabei wird unter der Röntgenkontrolle eines Durchleuchtungsgerätes oder ultraschallgestützt eine radioaktive Substanz direkt in das betroffene Gelenk gespritzt. Sind mehrere Gelenke betroffen, sind mehrere Behandlungssitzungen nötig. Dabei werden in einer Sitzung maximal vier kleine, ein bis zwei mittlere oder ein großes Gelenke behandelt.
Die radioaktive Substanz wird von den Zellen der Gelenkschleimhaut rasch aufgenommen. Sie hat eine extrem kurze Reichweite, so dass ihre Wirkung auf den Gelenkinnenraum begrenzt ist und der Gelenkknorpel nicht geschädigt wird.
Was geschieht nach der Behandlung?

Im Anschluss an die Behandlung wird - außer bei den Finger- und Zehengelenken - eine Kontroll-Szintigraphie durchgeführt. Etwa 15 Minuten danach können Sie wieder nach Hause gehen. Um das behandelte Gelenk zu schonen, sollten Sie jedoch mit einem Auto abgeholt werden oder ein Taxi benutzen. Sie dürfen nicht selbst Auto fahren. Zu Hause muss das betroffene Gelenk für zwei Tage ruhiggestellt und ggf. gekühlt werden. In seltenen Fällen kommt es vorübergehend zu einer Überwärmung und/oder zu einer kurzzeitigen Gelenkschwellung. Diese Erscheinungen verschwinden jedoch nach einigen Tagen wieder.
Im Allgemeinen können Sie schon etwa eine Woche nach der Behandlung mit einer gezielten Bewegungstherapie beginnen, um die durch die Entzündung in ihrer Funktionsfähigkeit stark eingeschränkten Gelenke wieder beweglich zu machen. Wenn Sie nach etwa zwei bis vier Monaten keine Beschwerden mehr haben, ist keine weitere Behandlung nötig. Sollten die Beschwerden noch nicht ganz verschwunden sein, kann die Behandlung frühestens nach einem halben Jahr noch einmal wiederholt werden, nur bei Kniegelenken ist auch schon nach frühestens 3 Monaten eine Wiederholung möglich.
Wie gut wirkt die RSO?
Rasche und dauerhafte Schmerzlinderung

Die Radiosynoviorthese (RSO) hat eine hohe Erfolgsrate – vorausgesetzt, die Behandlung wird von einem hierfür spezialisierten nuklearmedizinischen Facharzt durchgeführt.
  • Bei rheumatischen Erkrankungen ist in bis zu 80% eine deutliche Besserung zu erwarten, oft kann hierdurch die Dosis der Rheumamedikamente reduziert werden.
  • Bei Arthrosen ist die Erfolgsquote geringer, etwa 50% der Patienten berichten von einer deutlichen Besserung, so dass eine OP des Gelenkes vermieden werden kann.
  • Generell gilt: je früher die RSO durchgeführt wird, desto größer ist die Erfolgswahrscheinlichkeit. Bei bereits sehr starken Gelenkzerstörungen ist die Erfolgsquote niedriger.
  • Bei einer erheblichen Anzahl der Patienten verschwinden die Schmerzen dauerhaft und die Gelenkbeweglichkeit verbessert sich deutlich.
  • Eine deutliche Schmerzlinderung ist häufig schon nach der ersten Behandlung zu spüren.
  • Die volle Wirkung der Behandlung setzt erst zwei bis fünf Monate nach der Behandlung ein.
  • Bei primär unzureichendem Erfolg kann die Behandlung einmal oder mehrmals wiederholt werden, was die Erfolgsquote verbessert.
Schonende Alternative zur Gelenkoperation

Generell gilt: Je früher im Krankheitsverlauf die Behandlung eingesetzt wird, desto nachhaltiger ist die Wirkung. Aber auch im fortgeschrittenen Krankheitsstadium zeigt die RSO sehr gute Erfolge und ist oft eine schonende Alternative zur Gelenkoperation, welche hierdurch vermieden oder zumindest hinausgeschoben werden kann. Sollte sich der erhoffte Erfolg wider Erwarten nicht einstellen, kann das Gelenk immer noch operiert werden, z.B. mittels künstlichem Gelenkersatz.